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Waupee-Weißer Falke

Es war einmal

Gedanken

 

Manchmal

 

Waupee – Weißer Falke

Volker Bopp // 2008

Es war ein herrlicher Herbstmorgen. Der Tau der Nacht lag noch auf den Blättern der Äste, die mir heute Nacht mein Dach waren. Hin- und wieder tropfte von einem der Blätter ein Tropfen. Einer dieser Tropfen war es auch, der mich weckte. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und irgendwo in der Ferne hörte ich die ersten Rufe der Falken.

Die stille, ruhige und doch lebendige Nacht geht zu Ende. Und ein neuer Tag wird bald von der aufgehenden Sonne geboren. Wie jeden Morgen, wenn ich in der freien Natur erwache, schlug ich nicht zuerst meine Augen auf. Ich versuchte zuerst, alle Töne und Geräusche um mich herum zu orten und zu verstehen.

Dabei war es kein Morgen wie die Tage zuvor. Am Abend vor diesem herrlichen Morgen kam ein Junge aus dem Wald geritten. Ich hörte ihn und sein Pferd schon lange bevor ich ihn sah. Er sprach mit seinem Pferd – wohl um die Angst zu vertreiben die er hatte, als er so alleine durch den Laubwald ritt. Ja, auch ich spreche viel zu meinem Pferd. Denn oft ist es auf lange Zeit manchmal der einzige Freund und Begleiter.

Schon von weitem, als er mein kleines Lager erblickte, meldete er sich mit einem „ Hoho Kamerad, ich bin ein Freund“ an. Wohl um mir zu verstehen zu geben, dass er keine bösen Absichten hatte. „Hoho, mein Junge – komm näher“, rief auch ich ihm zu.

Während er so auf mich zukam, bemerkte ich, dass der Junge nicht aus schlechtem Hause kommen konnte. Seine Kleider waren gepflegt. Sein Pferd ordentlich gefüttert und gut gezäumt. Das Leder war weich und in einem tadellosen Zustand und knarrte nicht.

Als er nun an meinem Lager angekommen war, sah ich in sein Gesicht. Ich schaute ihm in die Augen. Und wie bei allen jungen Menschen, die ich traf, konnte er dem Blick nicht standhalten und schaute in der Gegend umher. Dabei viel mir auf, - erschaute meist nach links. Da dachte ich an den alten, weißhaarigen Indianer, der mir einmal sagte: `schaue über deine linke Schulter – und du siehst deine Vergangenheit. Schaue über deine rechte Schulter und du wirst in den Sternen deine Zukunft sehen,...`. Diese weisen Worte fallen mir immer dann ein, wenn ich einen Fremden zum ersten mal sehe.

„Darf ich mich die nacht über zu Ihnen gesellen“, fragte mich der Junge. „Ich wäre froh, wenn ich nicht alleine wäre“. „Steig ab, mein Sohn. Mein Feuer reicht für uns beide“, entgegnete ich ihm mit meiner rauen Stimme. Ich beobachtete, wie er langsam von seinem Pferd stieg. Sein erstes Tun war es , dem Pferd den Gurt zu lösen. Dann strich er ihm über die Nüstern und klopfte sanft seinen Hals. „Danke, mein Freund“, sagte er zu seinem Pferd und versorgte es tadellos.

Erst als er sein Pferd getränkt und gefüttert hatte, nahm auch er einen Schluck aus der Flasche. Das gefiel mir. „Du solltest nicht soviel Zeit mit deinem Pferd verbringen, setz dich und stärke dich“. Nun schaute er mich an. Ein etwas verständnisloser Blick, aber dennoch bestimmt. „Ich denke, dass dieses Geschöpf es mehr verdient hat als ich, sofort zu versorgt werden. Es trug meine Last den ganzen Tag ohne zu murren. Und ich weis nicht, wie oft ich ihm in die Ohren geredet habe von irgendwelchen gebratenen Hühnchen und Bohnen. Und das hat mein Brauner auch ertragen. Ich weis nicht was schlimmer für ihn war – mein Gerede oder meine Last auf seinem Rücken“

„Ich bin `Waupee` – zumindest nennen mich meine indianischen Freunde so, die Shawnee. Meine Freunde bei den Kiowa nennen mich `Edo-eette`“. „Haben sie keine Freunden bei den Weißen?“. „Oh doch, die nennen mich `den Alten`“. „Ich rede und frage zuviel. Mein Name ist Elias“. „Schön, Elias. Setz Dich zu mir ans Feuer Elias“.

Wir saßen stumm da. Ich hörte, wie es rings um uns herum anfing zu rascheln. Die Tiere der Nacht wachten auf. Die, die in dieser Nacht Beute wurden und die, die diese Nacht zur Jagd auf Beute machten. Ich merkte wie der Junge manchmal zusammenzuckte, wenn der Ruf eines Nachtvogels nahe an unserem Lager die Stille durchbrach. Nach einiger Zeit fragte ich ihn „ du bist nicht oft alleine in der freien Natur ?“. „Nein, und wenn, dann waren immer viele Menschen um mich herum.“ „ Dachte ich mir – hast Du Angst ?“ „Na ja, bis ich sie traf, war mir ehrlichgesagt nicht sehr wohl. Und als ich sie gesehen habe eigentlich erst auch nicht“. Ich kannte das Gefühl, das der Junge beschrieb. Auch ich kam auf so manches Lager zu und wusste nicht, was mich erwartet. Es gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf.

Mehr und mehr wurde der Junge ruhiger. Und er erschreckte nicht mehr so sehr an den Geräuschen, die die hereinbrechende Nacht mit sich brachte. Und auch ich fühlte mich nicht mehr so alleine. Es tut gut zu wissen, dass noch jemand da ist in diesen einsamen Nächten.

Wir redeten nicht mehr viel. Jeder von uns hing wohl seinen Gedanken nach. Ich überlegte mir, was den Jungen wohl in meine Nähe brachte. Früher hätte ich ihn deswegen ausgefragt, hätte alles wissen wollen. Aber seit ich mit Tenskwatawa -`der-der-die-Tür-öffnet` einige Zeit verbrachte, warte ich, bis sich der fremde mir anvertraut. Es war eine Mondlose Herbstnacht und ich wusste, dass ich am Morgen wieder alle Knochen einzeln spüren werde. Aber ich dachte nun an den vergangenen Tag. Und wie ich es gelernt habe, dachte ich zuletzt an die schönen Momente des Tages. Ich rollte mich in meine Decke, drehte meinen Rücken zum Feuer und überließ den Jungen sich selbst.

Ich hörte an diesem Morgen nicht nur die Geräusche der Natur. Ich hörte den ruhigen Atem des fremden Jungen. „Guten Morgen mein Junge“, brummte ich vor mich hin. Himmel hat der sich erschrocken. Mit einem Satz stand er da. Schaute in alle Richtungen – und dann auf mich. Und da wurde er ruhiger. „Sorry, Waupee, ich hab mich erschreckt“. Und wie, dachte ich und hatte wohl ein grinsen in meinem Gesicht. „Das ist kein Grund, mich auszulachen“. „Ich lache nicht, mein Freund, ich denke nur zurück, wie ich einmal war. Und glaub mir, ich hätte mir manchmal vor Schreck auch fast in die Hosen gemacht – Gut geschlafen Junge ?“. „Ja, seit langem einmal wieder. Danke, dass sie meine Wache übernommen haben“. „Wache ? – Über was sollte ich den wachen. Wenn der `da Oben` es will, dass uns etwas zustößt, dann können wir hier unten gar nichts dagegen tun. Ich überlasse das Wachen lieber den Tieren und der Natur. Sie warnen mich, wenn es sein muss“.

Der Junge stand wortlos auf und ging in die Richtung seines Pferdes. Und ich merkte ihm an, dass er meine letzten Sätze erst mal durchdenken musste. Ein leises schnauben lies ihn aus den Gedanken hochfahren. Sein Pferd begrüßte ihn mit diesem leisen Schnauben und einem fast entzückenden Quietschen. „Hoooh, mein Kamerad. Guten Morgen“, sagte er zu seinem Pferd und fing an, es zu versorgen. Doch zuvor fuhr er ihm wieder über die Nüstern und klopfte auch diesmal ganz leicht seinen Hals.

Ich erinnerte mich daran, wie er ankam. Auch da machte er die selbe Geste zu seinem Pferd. „Eh, wo steckt denn mein Catahecassa ?“. „Was für ein Ding ?“, fragte der Junge. „Na mein Pferd. Es heißt Catahecassa. Was soviel bedeutet wie `Schwarzer Huf`. Ich habe ihn von meinem Bruder bekommen“. Ein langes `psssssssssstttttt´ ging durch meine Zähne. Und da kam auch schon ein tiefes Wiehern, Quietschen und Schnauben an mein Ohr. „Guten Morgen Catahe. Gut geschlafen mein Alter ? Schon gefrühstückt, wie ich sehe. Hast noch Gras im Maul.“

„Sie sprechen mit ihrem Pferd, als ob es ein Mensch wäre. Mach ich manchmal auch mit meinem Kameraden hier“. Und wieder tätschelte er den Hals des Pferdes. „Warum nennst du ihn immer Kamerad ? Ist das sein Name ?“. „Äh, nein. Eigentlich hat er noch keinen Namen. Ich habe ihn erst vor ein paar Tagen gekauft. Aber er ist ein prima Pferd – und ich denke, er hat einen großen Namen verdient. So wie ihres“. „Ahtahkakoop würde zu ihm passen“. Sagte ich sofort, als ich das Pferd in der aufgehenden Morgensonne sah. „Ahtahkakoop ?“ sah mich der Junge fragend an. „Ja, Ahtahkakoop. Die Zeichnungen auf seiner Kruppe erinnern mich an die Sterne. Ahtahkakoop heiß Sternendecke“.

Ich sah, wie der Junge überlegte. Ich lies ihn mit seinen Gedanke und seinem Pferd allein und machte mich daran, das Lager zusammenzuräumen. Das Feuer hatte ich schon wieder entfacht und der Kaffee war fast fertig. „Komm Junge, ohne Frühstück kann kein Tag beginnen“. Immer noch wortlos kam der Junge wieder ans Feuer. Er legte eine Decke um seine Schultern und nahm dankend einen Becher Kaffee an. „Ahtahkakoop. Ahtahka...“ brummelte er vor sich hin. „Klingt fast so schön wie Catahe. Darf ich den Namen nehmen für mein Pferd ?“ Seine Frage verriet mir, dass er wohl aus gutem Hause kam und auch gut erzogen wurde. „Ja, aber warum fragst Du mich ? Es ist Deine Entscheidung“. „Meine Entscheidung“ brummelte er wieder. „He, mein Kamerad“ rief er seinem Pferd zu, „ich nenne dich Ahtahkakoop, wenn Du einverstanden bist“. Sein Pferd spitzte die Ohren, schaute in seine Richtung und ein zufriedenes Schnauben kam herüber. „Meinen sie, mein Pferd hat mich verstanden ?“. „Ich glaube, Pferde verstehen unsere Worte nicht. Aber ich bin überzeugt, dass sie unsere Stimme und unsere Gefühle die wir in unsere Worte legen sehr wohl verstehen – besser als mancher Mensch“.

Und wieder dachte ich nach. Ich nippe am heißen Kaffee und dachte darüber nach, dass es wirklich manchmal sehr schwer war, Menschen beizubringen, dass man es gut meint. Da war zum Beispiel die hübsche junge Farmhelferin. Mit ihr redete ich sehr viel an meinem Lagerfeuer, das ich unweit des Farmhauses brennen hatte. Immer wieder kam sie und fragte mir fast Löcher in den Bauch. Sie war noch jung. Aber als unerfahren würde ich sie nicht bezeichnen. Wir lernten uns mit den Tagen und Abenden besser kennen. Und bald merkte sie, dass sie über alles mit mir reden konnte. Wir redeten über Pferde, über das Leben. Und die Liebe. Ich begann, diese junge Frau sehr lieb zu haben. Wir haben damals viel über sie geredet. Und wie auch bei diesem Jungen, war es am Anfang so, dass sie ihren blick oft nach links legte. Und sehr oft senkte sie ihren Blick und ihr Haupt nach unten, als hätte sie sich für das gesprochene geschämt. Nach und nach hat sie aber bemerkt, dass ich sie nicht als Objekt, als Weib für den Genuss betrachte. Sie hat gespürt, dass ich einfach nur ein Mensch bin, ein Kamerad, ein weißer, alter Mann.

In unseren Gesprächen wurde immer deutlicher, dass sie sich wohl in den Farmer verliebt hatte. Aber, sie traute sich nicht so recht. Und so verhärteten ihre Gefühle. Es musste arg für die junge Frau gewesen zu sein, ihre Gefühle nicht zeigen zu können und zu dürfen. Manchmal saß sie einfach nur da und redete kaum ein paar Worte. Es war fast so, als rufe sie um Hilfe in sich hinein. Es waren viele Abende, die wir gemeinsam verbrachten. Und es waren Abende und Gespräche, die ihr gut taten. Einmal sagte sie: „was würde ich ohne dich mein alter Freund nur machen ?“. „Einen anderen alten Freund finden, der genau so ist wie ich“, sagte ich nur zu Ihr. „Der `da Oben` hat nun mal entschieden, dass ich es bin, der heute bei dir sitzt. Aber glaube mir, es wird nicht lange gehen, da nimmt ein andere meinen Platz ein. Einer, der dich genau so lieb hat – wenn nicht noch mehr - , einer der dich genau so versteht wie ich“. Sie überlegte. „Das kann ich nicht glauben. Ich wüsste nicht, wem ich all die Geheimnisse, mein Innerstes, das ich dir anvertraut habe, erzählen könnte...“. „Oh doch, mein Kind“, sagte ich, „ diesen Menschen gibt es. Und glaube mir, nach unseren vielen Gesprächen, wird es dir einfacher sein, diesem Menschen deine Gefühle zu zeigen. Es wird einfacher sein, in seine Augen zu schauen und mit dem Herzen zu reden. Es wird dir gelingen, dass dieser Mensch in dir das Selbe sieht wie ich es sehe. Ein wertvoller Mensch, dem man nicht weh tun darf“.

Ein paar Tage später lief mir der Farmersohn über den Weg. Sein Blick war gesenkt und ich spürte wohl, dass er mich an diesem Morgen nicht mochte. „Morgen, mein Sohn. Habe ich dir etwas getan, dass du so an mir vorbei gehst, als wäre ich nicht da ?“. „Du hängst sehr viel mit unserer Farmerhilfe herum !“. Und ich konnte den Unterton nicht überhören. „Ja, das tue ich wohl. Und ich spüre, dass es dir nicht recht ist“. Ich kam auf ihn zu und wählte den selben Weg wie er. Und kaum als er sich versah, legte ich ihm meinen Arm auf die Schulter und sagte: „lass es mich dir wenigstens erklären, mein Freund“. Ich merkte, wie er schneller gehen wollte, um den Arm loszuwerden. Aber meine Hand legte sich schwer auf seine Schulter. „Ich habe deine Freundin sehr lieb gewonnen“, er zuckte etwas zusammen, als ich sagte `deine Freundin`, „und ich weiß wohl besser als du, wie sehr sie dich liebt“, jetzt wurden seine Schritte langsamer. „Und du hättest dich vorhin auch nicht so verhalten, wenn du sie nicht auch lieben würdest. Warum kommst du nicht mal an mein Feuer und genießt den Feierabend nach einem langen Arbeitstag mit den Pferden und mir? Ich bin immer da – du weißt, wo du mich findest.“. Es wurde Abend und der junge Mann kam. Wir redeten über die Pferde, über die Arbeit. Aber wir redeten kein Wort über seine große Liebe. „und hör auf, dir Gedanken zu machen. Verlass dich auf dein Gefühl, dein Herz, dann wird sich dir Tür und Tor öffnen – Tenskwatawa, gute Nacht mein Freund“, waren meine Worte zum Abschied an diesem Abend.

Es vergingen ein paar Tage, ehe ich wieder auf die Farm kam. Da kam mir eine strahlende junge Frau entgegen. Sie umarmte mich herzlich, und sagte nur „danke, mein alter, grauer Freund“. Mir standen die Tränen in den Augen. Und mit diesen Tränen ließ sie mich stehen.

Man war mir das peinlich. wenn mich jetzt jemand sehen würde! Schnell und verstohlen wischte ich die Tränen aus den Augen. Und da kam schon die nächste Überraschung. “hei Alter, danke ! , wir kommen heute mal zu dir ans Feuer“, und wieder wurden meine Augen glasig und feucht. Schnell weg, bevor es noch einer sieht, dachte ich nur. Ich war noch eine sehr lange Zeit auf dieser Farm und immer wieder kamen die beiden an mein Feuer. Und sehr oft hatte ich irgendetwas vergessen und musste noch mal kurz weg. Nach einiger Zeit wurden die Besuche weniger. Und ich wusste, da haben sich zwei Herzen gefunden.

Darüber dachte ich nach, während wir wortlos unser Lager abbrachen und sorgfältig unsere Pferde für einen weiteren langen Tag richteten.

„Waupee, was machst du eigentlich, wenn ich fragen darf ?“. Fragte mich Elias, als wir der Morgensonne entgegenritten. „Das ist eine gute Frage mein Sohn. Ich lebe mein Leben und verlass mich `auf den da Oben`.“ „Du glaubst an Gott?“ schaute er mich fragend an. „Würde ich ihm sonst vertauen ?“ gab ich ihm meine Gegenfrage. „Weißt du, Elias, wir Menschen wissen nie, wenn es mit uns zu Ende geht. Und gemessen an der Mutter Natur ist unser Dasein nur ein Staubkorn. Aber auch wenn wir nur ein Staubkorn sind, so hat jeder von uns das Recht da zu sein. – Ich reite der Sonne entgegen“. „Hei alter Freund, kann ich ein Stück des Weges mit dir reiten ?“. „So lange du willst Elias. Und wenn es einmal soweit ist, dass du deinen eigenen Weg gehen willst, so reicht ein freundliches `ho-ho, Alter Grauer Mann lebe wohl`“. Und so ritten wir weiter.

Eines Abends, es war schon sehr dunkel, kamen wir an ein kleines Farmhaus. Ich kannte es noch aus alten Tagen. Viele Jahre waren indes vergangen. „Haltet an Fremde. Was wollt ihr hier ?“ kam ein mir noch in Erinnerung gebliebener Ton entgegen. „Tenskwatawa, Freund“, sagte ich in leisem Ton. Man, war da auf einmal ein reges Treiben. Der Mann rief nur „Waupee und Catahe sind da !“. Und schon brannten alle Lichter in dem kleinen Haus. „Kann ich mein altes Feuer oben am Felsen wieder anmachen“ fragte ich. „Nein, mein Alter, du kannst hier im Haus wohnen“. „Verstehe mich nicht falsch, mein junger Freund. Ich möchte meinen alten Platz gerne wieder aufsuchen“. „Wie du willst Alter Freund. Mittlerweile macht der von dir gepflanzte Baum deinem Namen alle Ehre ` Edo-eette , Großer Baum`“. Elias hatte von unserem Gespräch fast nichts mitbekommen. Viel zu sehr waren seine Augen auf ein junges, hübsches Mädchen gerichtet. Und es viel mir auf, dass er nicht nach links sondern nach rechts schaute, wenn er ihrem Blick auswich. Und genau so war es bei dem hübschen Mädchen. Auch ihre Augen wandten sich mal auf ihn und dann wieder nach rechts. „Das ist unsere Tochter, Elisabeth. Deine Indianer gaben ihr den Namen `Kisecawchuck`“. Ich wusste was der Name bedeutete, „Tagesstern“, ein schöner Name für dieses Mädchen.

„Kannst du mir einen großen Gefallen tun, junger Freund“, schaute ich den Farmer an. „Catahecassa ist alt geworden. Fast zweiundzwanzig Jahre hat er mich begleitet. Nun suche ich einen Platz für ihn, an dem er sich für den Rest seines Lebens ausruhen kann“. „Er wird bei uns auf sein Ende warten, alter Freund. Es wird uns eine Ehre sein, deinen Catahe zu versorgen. Und wie steht es mit dir ? Willst nicht auch hier bleiben. Wir haben dir immer einen Platz in unsere Familie“. „Nein, lass mal. Wenn ich weiß, das Catahe gut versorgt ist, geht es mir gut. Ich werde jetzt mal mein Feuer anmachen und zusammen mit meinem Freund hier das Lager aufschlagen – so wie in den letzten Jahren“. „Wir bringen euch den Kaffee rüber, alter Freund“.

Es verging kaum eine Stunde, da kam Elisabeth und brachte zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Vater den Kaffee. Wir tranken und redeten nur über die Pferde, die Arbeit. Und der Farmer meinte dann, „ wir könnten einen tüchtigen jungen Helfer gut gebrauchen“. Das strahlen in den Augen von Elias war nicht zu übersehen. Und auch die Augen von `Kisecawchuck´ machten ihrem Namen alle Ehre. Wir redeten noch lange über Pferde. Und der Farmer bot mir an, ein Pferd bei sich auszusuchen.

Am Morgen gingen wir dann zur Herde. Ich sah dort einen Schimmel, den ich sofort in mein Herz schloss. Ein großer weißer Hengst mit freundlichen schwarzen Augen. „Payakootha“, kam es über meine Lippen. „`Vorüberziehende Wolken`, das ist dein Name“, sagte ich hinzu.

Elias hatte die letzen Worte noch mitbekommen. „Alle haben einen indianischen Namen bekommen von Dir. Nur für mich hast du nie einen gefunden, - warum?“ fragte er mich etwas traurig. Ich sah ihn mit meinen kleinen, blau-grauen Augen an, fasste ihn an der Schulter wie damals den Farmersohn. „`Tecumseh`“, sah ich ihn an, „`Tecumseh`, der Berglöwe“. Die Shawnees nennen einen außergewöhnlich hellen Meteor, der den nächtlichen Sternenhimmel von Nord nach Süd kreuzt, Berglöwe ,auch Puma, Panther oder Silberlöwe. Es heißt, so die Indianer, der Berglöwe, ein großes Mysterium, springt mit einem mächtigen Satz in den Süden, um dort die Nacht zu verbringen.

Ich fing an, Payakootha zu satteln. „Hast du vor wegzureiten, ich meine weil du soviel Proviant mitnimmst?“ fragte Elias. „`Tecumseh`, ich will meinem neuen Freund hier Gelegenheit geben, mich kennen zu lernen. Und dazu reite ich ein paar Tage und Nächte alleine mit Ihm durch das Land. Hüte mein Feuer gut. Und gib auf dich acht, mein junger Freund. Ho-ho, mein Junge, lebe wohl“. Und so ritt ich davon. Ich sah noch, wie er sich hinterm Ohr kratzte, als viele ihm etwas ein. „ ho-ho, Alter Grauer Mann, lebe wohl !“ kam es kaum noch hörbar an meine Ohren. Wieder hatte ich diese Grinsen im Gesicht. Wie damals, als er zum ersten mal an mein Lager kam. Nur war ich jetzt sehr viel älter und weiser. Und meine Haare waren Schneeweiß geworden wie der Schimmel auf dem ich saß. Ich schlug den Weg ein, den ich als kleiner Junge einmal geritten war. Dorthin, wo mein Traum begann. Und ich bekam bei meinem Eintreffen einen neuen Namen: „`Waupeepapewas`“, „Weißer Falke Glücklicher Mann“ sagte ein sehr alt gewordener `Tenskwatawa` zu mir. „Wie ist es dir ergangen mein Sohn ?“ fragte er mich mit ruhiger, leiser Stimme. „Tenskwatawa“, entgegnete ich ebenso ruhig. Und nun wusste ich auch die ganze Bedeutung seines Namen: „`Tenskwatawa`“, „Die offene Tür - `er sah die offene Tür zum Paradies`“ murmelte ich. Ich glaube, er hat mich nicht mehr gehört. Sein Herz hörte in diesen Minuten auf zu schlagen. „wicasa okinihan, - tecihila, hecitu yelo“.

Wakan cekiye omniciye owasin on wocekiye wan.

Wakantanka, Woniya Wakan kin, Wicakapi kin Wicaduwakan kin, Okodakiciye Wakan nitawa ataya en, qa iyotan South Dakota qa Niobrara Deanery kin de en Wakan cekiye omniciye owasin wocantkiye qa wowaśstedake nitawa kin on wanwicayag yahi kta iceunniciyapi; Wotanin waśste owihanke wanica iyoyanpa kin on tawacinpi kin en sanpa qa sanpa iyoyamwicayayin kta; wowicake wowaśstedake kin cantepi kin en icaĥhwicaya ye; Wakantanka ohodapi wowicake kin en wicayuota ye; wowaśste owasin en wicayuha ye, Woniya waśste, niye, Ateyapi kici, qa Cinhintku kin yuwitaya, Wakantanka wanjina, unniyuonihanpi qa ohounnidapi kta, maka owihanke wanin. Amen.

(O God, Holy Ghost, Sanctifier of the faithful, visit, we pray thee, all the Congregations of thy Church with thy love and favor, especially those of this district and Deanery; enlighten their minds more and more with the light of the everlasting Gospel; graft in their hearts a love of the truth; increase in them true religion; nourish them with all goodness; and of thy great mercy keep them in the same, O blessed spirit, whom, with the Father and the Son together we worship and glorify as one God, world without end. Amen.)

Dies waren meine Worte an einen weisen Mann, der nun endlich durch die Tür gehen durfte. `Tenskwatawa` war schon einmal durch diese Tür gegangen – und er wurde zurückgewiesen, weil er noch einen Auftrag hatte.

Ich sattelte mein Pferd ab, nahm ihm Trense und Decke ab und sagte ganz leise zu ihm: „ hoho, junger Freund, mach es gut – du bist jung und stark und wirst bald eine Herde haben“. Und mit Tränen in den Augen, die klein und grau geworden sind, schickte ich ihn weg von mir. „Tecihila Payakootha – Du wirst Deinen Weg machen mein Junger. Für mich ist das Land und seine Vielfalt zu groß geworden. Ich bin alt, grau und müde geworden von der langen Reise. Ich werde bei meinen indianischen Freunden bleiben und am Feuer des Tenskwatawa leben. Und wenn Gott es so will, werde ich Dich willkommen heißen auf der großen Koppel, wo wir alle wieder vereint sein werden“. Tecihila - Ne mohotatse - Sheth she~n zho~n - Chi~holloli - Nu´ umi unangw´ta - Ayor anosh´ni

Mani wastete yo – sahani dikata

Für eine sehr liebe Freundin - 2008

Tenskwatawa, auch Elskwatawa (Übersetzt "Die offene Tür"), (* 1775; † 1834 im Bundesstaat Kansas, USA) war ein äHuptling und Schamane der Shawnee-Indianer und Bruder von Tecumseh (1768–1813), der im Bundesstaat Kansas, während eines Indianeraufstandes gegen die Weißen getötet wurde.

 

Es war einmal...

Eine Zeit, in der wir:

es nicht erwarten konnten um von der schule nach Hause zu kommen. Den Ranzen in die Ecke werfen und die alte Hose anziehen. So rannten wir zum Bauern unten im Dorf. Denn der hatte 2 riesengroße Pferde. Wir durften mit zum Pflügen, zum Ackern und im Winter gingen wir mit ihnen in den Wald zum Holzstämme ziehen.....

wir fuhren den alten Traktor im 1. Gang und der Bauer lud das Heu mit der großen Gabel auf. Und wir jungen sprangen auf dem Heuwagen herum, damit viel Heu Platz hatte.....

Am Abend dann, als alle Arbeit getan war, bekamen wir Butterbrot (es roch so herrlich nach frisch gebackenem Brot) und Zucker darauf. Manchmal auch „gsottene Herdäpfel“ mit Butter und Milch....

Eine Zeit, in der wir von der Schule heimkamen, still und heimlich einen Blick in den Briefkasten erhaschten und uns freuten, wenn handgeschrieben unser Name auf dem Brief mit dem Herzchen stand..... Liebesbriefe – damals erschien es uns, als ob es viel zu wenig sind. Heute ? Sind sie ausgestorben?!

Ausgestorben? Ja. Vieles „stirbt“ mit der Zeit. Da gab es die gute alte „Halde“, die unser Spielplatz war. Sie ging nicht von Zaun zu Zaun – sie ging von Ort zu Ort ! Wir sahen Rehe, Füchse, Greife... Wir durften mit dem Jäger und dem Bauern.

Da saßen wir zusammengedrängt auf dem Sofa, schauten „ZDF-Hitparade“, „Fjuri“, „lassie“... Da schlichen wir uns still und heimlich aus dem Haus, um unten an der Ecke die Freunde und Freundinnen zu treffen und teilten uns heimlich eine Zigarette. Wir waren eine verschworene Bande.

Bande ? Ja, wir hatten unsere „Banden“. Wir verhauten uns, stritten uns dass das ganze Ort es mitbekam – um dann wieder auf der Halde „Cowboy und Indianer“ zu spielen....

Wir sammelten unsere Groschen (10-pfennigmünzen) und pünktlich um halb sieben abends standen wir vor der Telefonzelle. 5 Minuten Telefonieren mit unserem Schatz.... bis das tüt-tüt-tüt im Hörer erklang....

Wir schrieben Liebesbriefe mit 4, 5, 10 oder mehr Seiten.... und einige davon haben wir heute noch.

Was war das doch für eine schöne Zeit !

Da gab es an der Ecke beim „Baro“ den Schilling-Imbiss. Einen Ketschupwecken für 20 Pfennig. Man brachte die Freundin zum Bus und wartete geduldig bis er abfuhr und winkte und winkte bis er in der Ferne verschwand. Dan drehte man sich um und lief die 4 Kilometer nach Hause. Denn der eigene Bus war schon weg und das Geld haben wir für die 2 Ketschupwecken gebraucht.

Ihr fragt nun sicher:

„In welcher Zeit hat der denn gelebt???“ Den Acker mit Pferden bestellen ?? Holz mit Pferden ziehen ??? Briefe von Hand schreiben ?? Telefonzellen ????

Das war: erst kürzlich. Vor ungefähr 40 Jahren....

Und glaubt mir, damals durfte ich nicht so viele Fehler machen in meinen Briefen – es gab da keinen Logodingsbums – es gab eine hinter die Ohren.

Was gäbe ich, um

- noch einmal die Kuh zu melken von Hand

- beim Hirschen-Karle auf den großen Fuchs zu sitzen

- über die Halde zu rennen, bis die Luft ausgeht

- auf dem Jägerstand zu sitzen und die Rehe zu beobachten

- den Bus zu verpassen für einen einzigen Kuss

- in der Telefonzelle zu stehen um zu flirten

- an Mutter und Vaters Hand einkaufen zu gehen......

Ich bedauere nichts – Ich habe es erlebt J

Euer Volker *1961

 

Ein paar Gedanken....

Manchmal sieht man mit befremden,

etwas Gutes einfach enden.

Und obwohl man sich selbst anfangs gut eingebracht,

hat man es nicht geschafft, dass jemand weitermacht.

Es fehlt der Zug, der Druck, die Lokomotive,

nicht vorhanden sind die eigenen Triebe.

Du dachtest Dir, „schieb erst mal an“,

doch da waren wenige, die dann blieben dran.

Du schautest voraus, ein Jahr, vielleicht auch zwei,

du sahest nichts – es war vorbei.

Drum lass Dich nicht vor den Wagen spannen und alleine ziehn´,

suche dir stets ein gutes und motiviertes Team

Ein bisschen Gezicke mal hier und mal da,

das gibt’s immer – da ist wohl wahr.

Doch wenn so viele nur nörgeln, dich treten und brennen,

dann musst du dich von ihnen trennen.

Du verletzt nun die, die an dich glaubten,

doch viele sind es, die dir die Nerven raubten.

Kehr den Rücken mit erhobenem Haupte

gibt zum Abschied die Hand der kleinen Gruppe die an dich glaubte.

Verzeih denen, die immer alles besser wussten,

die zum Schluss es dann einsehen mussten.

Man sagt: „Jeder der geht ist zu ersetzen“

Ich glaub es nicht – wollen wir wetten?

Noch ist dieser Reim nicht zu Ende

Denn es gibt auch die eine oder andere Wende

Ja, auch die haben manchmal Probleme mit dem Leben im Team,

doch nach kürzester Zeit ist man sich wieder „grün“

Ein klares Wort mit Respekt und Gefühl

Ohne weh zu tun und ohne Gebrüll.

Eine kleine Geste, ein „ich hab Dich trotzdem lieb“

Kein Pfeil in den Rücken und kein Seitenhieb.

Es ist wie ein altes, uraltes Ührchen

Es reicht ein Schubs und schon klapp es wie am Schnürchen.

Wie ein Pendel schwingen sie mal hin und mal her

Etwas zu machen, ist für sie nicht schwer.

Sie streiten mal kurz, dass die Fetzen fliegen,

um sich hernach wieder an sich zu schmiegen.

Sie sind manchmal verrückt, besessen und blöd,

doch das ist das, was den anderen fehlt.

Sie sind nicht stur

Sie gehen vorwärts wie die Uhr

Jeder versucht seinen Part zu meistern

Jeder versucht jeden zu begeistern

Sie halten sich fest und glauben an das Ziel

Zusammen sind sie stark, sie sind ein Team.

Sie vertrauen auf das was sie führt, wovon sie was halten

Und das sind in den meisten Fällen „die Alten“

Ein Zug besteht nicht nur aus einer Lokomotive, er reicht bis zum letzten Waggon

Und erst wenn der angehängt ist geht es auf und davon.

Spaß hat man allein, zu zweit und in der Gruppe.

Jeder macht Seins – gibt eine ungenießbare Suppe.

Und bevor man diese bittere Suppe schlürft,

ist es besser, wenn man das Handtuch wirft.

Gesell dich zu denen wo es dir gefällt die dich brauchen und dich respektieren

Dann wird Dein Leben, Deine Seele und Dein Herz nie erfrieren.

Volker Bopp

04.12.2010

 

Manchmal.....

denkt man, der „Alte“ hat voll die Meise. Und manchmal habt ihr auch recht. Stimmt: Er kann so lieb und nett sein. Und manchmal ist er eben nur ein altes Ekel. Oft könntet ihr mich im ersten Moment auf den Mond schießen – doch ein, zwei Tage später, wenn ihr meine Reaktion überdacht habt, dann denken manche: irgendwo hatte der „Alte“ doch recht.

Ich versuche immer mein Bestes zu geben.

Manchmal gelingt es – und manchmal geht es voll daneben.

Manchmal: ab und zu, bisweilen, dann und wann, hier und da, hin und wieder, nicht immer, von Zeit zu Zeit, zuweilen, einige Male, etliche Male, gelegentlich, in Abständen, einige Male, mit Unterbrechungen, mitunter ... manchmal.. über 10 Bedeutungen und mehr als hundert Synonyme... Manchmal.

Manchmal treffe ich Menschen, die mich verstehen.

Manchmal treffe ich Menschen, die versuchen, mich zu verstehen.

Manchmal verstehe ich die Menschen, die mich nicht verstehen.

Manchmal versuche ich die Menschen zu verstehen, die mich nicht verstehen.

Manchmal verletze ich ohne es zu wollen.

Manchmal heile ich ohne es gewusst zu haben.

Manchmal liebe ich ohne es zu wissen.

Manchmal weiß ich nicht, dass ich liebe.

Manchmal möchte ich mehr von andren als sie können.

Manchmal fordere ich mehr von mir als ich kann.

Manchmal geben mir andere mehr als ich verdient habe.

Manchmal gebe ich mehr als ich mir leisten kann.

Manchmal....... wird einem alles zu viel.

Dann ist es gut, wenn man (manchmal) Freunde hat.

Und manchmal sind es mehr als man glaubt.

Manchmal, ab und zu, bisweilen, dann und wann, hier und da, hin und wieder, nicht immer, von Zeit zu Zeit, zuweilen, einige Male, etliche Male, gelegentlich, in Abständen, einige Male, mit Unterbrechungen, mitunter,....

Eines jedoch bin ich immer!

Ich bin Volker.

So bin ich.

 

 

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